Rote Asche, gelber Filz, The Hulk und falscher Ehrgeiz

Die letzten Sportwochen sind geprägt von passivem Sport. Natürlich ist die EM das bestimmende Thema. Zu allem Übel fehlt auch noch die Lust zum Laufen und das Wetter fürs Rennrad. Und wenn dann mal das Wetter etwas Sportliches zulässt, dann habe ich entweder keine Zeit oder noch besser, einen Bekannten, der Basketball oder einen anderen, der Tennis spielen möchte. So ging es dann auch heute wieder auf die rote Asche. Bereits letzte Woche habe ich nach knappen zehn Jahren wieder ein rotes Tennisfeld betreten und es lief erstaunlich gut.
Nach langem Aufwärmen haben wir einen Satz gespielt und, oh Wunder, ich habe 7:6 gewonnen. Allerdings hat sich mein Gegner stark zurückgehalten. Heute dann die erneute Frage, ob wir eine Runde zocken. Das Wetter passt und die Stimmung auch, es muss etwas getan werden, also ja, raus auf den Court.
Letzte Woche lief es und heute lief ich. Mein Gegner hat mir nach kurzem Aufwärmen gezeigt, dass er es kann. Return und Aufschlag sitzen bei ihm heute besser und bei mir breitet sich Frust aus. Hatte ich letzte Woche einfach den Schläger genommen und auf den Filzball geklopft, so muss ich ihn heute platzieren und meinen Gegner ausspielen. Es klappt auch ab und an und das macht es noch schlimmer.
Kaum landet ein Ball auf dem gewollten Punkt, so ärgere ich mich, dass der zweite nicht auch dort landet, sondern klar im Aus oder gar am Begrenzungszaun. Das ist so mein Ding im Sport. Falscher Ehrgeiz. Kaum läuft es sportlich mal und ich schaffe den Lauf in meiner angestrebten Zeit oder platziere eben den Ball, dann setzt einer von zwei Effekten ein. Der erste ist schlimmer und weit häufiger vertreten, als der zweite. Ich resigniere, schließlich habe ich mein Ziel erreicht. Lese ich in einem Forum, dass man nach dem Halbmarathon etwas Regeneration brauchen könnte, so habe ich die passende Ausrede für 3 Wochen Couch gefunden.
Effekt zwei ist der angesprochene falsche Ehrgeiz und tritt meist während der Ausübung auf, ab und an auch danach. Passt der zweite Ball nicht oder wird die Bestzeit beim nächsten lauf nicht wieder geknackt, so kommt der Hulk in mir durch. Heute kann ich ihn dann meist zurückhalten, während früher der ein oder andere Schläger zerbrochen ist. Ab und an blitzt er aber auf und fordert mich auf, mit ihm zu reden. Ein ehemaliger Sportlerer von mir hat dies auch immer gemacht, hatte mich lange verwundert, heute weiß ich, dass er auch einen Hulk in sich trägt und diesen beruhigt.
Beim Match heute war schnell klar, dass ich keine Chance hatte. Der erste Satz ging mit 6:3 an meinen Herausforderer und Hulk wuchs. Dann nahm ich mir vor, das ganze als Training zu nehmen. Jeder Ball soll einfach auf seine Rückhand gespielt werden. Hulk hatte eine Aufgabe und siehe da, er hat sich jedes Mal gefreut, wenn es geklappt hat, kaum noch Ärger.
Der zweite Satz ging aber auch mit 6:3 verloren, immerhin konstant. Positiv: Hulk war nicht wirklich grün, nicht wirklich groß und nicht gefährlich. Der Schläger wurde auch nicht zerbrochen, nur die Saite ist gerissen. Etwas Schwund ist wohl immer. Für die nächsten Male nehme ich mir dann die Vorhand vor oder die Grundlinie. Dann hat Hulk etwas zu tun und freut sich, wenn der Ball auf die weiße Linie klatscht. Spass soll es ja machen und im olympischen Jahr zählen auch für Hulk diese Gedanken.
Wie sieht es bei euch aus, tragt ihr auch einen Hulk in euch?
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